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Thomas Anders + Rhenser Mineralwasser gemeinsam f.d. Kinderschutzbund Koblenz


Rhenser Mineralbrunnen GmbH wirbt in 2011 erneut mit Werbepartner Thomas Anders auf 4. Mio. Flaschen für den Kinderschutzbund Koblenz!


Firmeninhaber Dr. Hans-Achim Daschmann erhofft sich mit der Werbung auf den Flaschenetiketten nicht nur Spenden für den Kinderschutzbund Koblenz, sondern ebenso die Reflektion und Mithilfe der Mitbürger gegen Kinderarmut und Gewalt.

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Erfolgreicher Sänger, Moderator, Komponist und Produzent – seit November 2008 haben Sie Ihr Repertoire um eine weitere Aufgabe ergänzt. Sie sind Schirmherr des Deutschen Kinderschutzbundes in Koblenz. Wie kam es dazu?


Ich finde es gut, wenn man sich für die Allgemeinheit engagieren möchte, in seinem Heimatbezirk anzufangen. Da ich in Koblenz lebe, ist es für mich wichtig, mich in erster Linie dort um die Sorgen und Nöte zu kümmern.

Über Jahre wurde uns immer eingeimpft, in Afrika und den Ländern der Dritten Welt, geht es den Kindern grundschlecht. Das stimmt ja auch. Aber dadurch haben wir verdrängt, dass auch genügend notleidende Kinder unter uns leben. Ich habe mich immer wieder für Kinder engagiert und verschiedene Organisationen unterstützt.

Im vergangenen Jahr kam die Schirmherrin vom Deutschen Kinderschutzbund in Koblenz auf mich zu und erklärte, dass sie sich aus Krankheits- und Altersgründen von ihren Verpflichtungen zurückziehen möchte. Sie fragte mich, ob ich Lust hätte ihre Arbeit fortzuführen. Das war für mich selbstverständlich. Seit November 2008 bin ich Schirmherr und repräsentiere eine Organisation, die für Kinder aller Altersgruppen ein psychologisch kompetenter Ansprechpartner ist.



In erster Linie geht es darum Geld zu sammeln. Wie gehen Sie vor?


Ich würde nie auf einen Menschen zu gehen und sagen: "Es gibt so viele Probleme und so viel Elend, machen Sie mal ein bisschen Geld locker! Oder wie viel wollen Sie geben?" Nein, niemals! Meine Strategie ist die Politik der kleinen Schritte. Ich möchte meine Mitmenschen sensibilisieren und in einem Gespräch mitreißen. Ich möchte niemanden übervorteilen. Das ist auch gar nicht nötig.

Die meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, wissen gar nicht, wie die soziale Lage in Deutschland aussieht. Sie haben Tränen in den Augen, wenn sie hören, welche dramatischen Zustände herrschen, wie viel Leid es gibt. Ich nehme immer an den Sitzungen des Kinderschutzbundes teil. Da werden keine Namen genannt, aber Fälle angesprochen.

Wenn man dann erfährt, dass Kinder nach der Schule nirgends einen Platz haben, um Hausaufgaben zu machen, nichts zu essen bekommen. Unsere Gesellschaft ist trotz Wirtschaftskrise und Regression immer noch reich genug, um hier zu unterstützen. Man sollte es nicht nur seinem Kind gut gehen lassen, sondern auch an andere Kinder denken. Wir leben gemeinsam in einer Welt.



Der Kinderschutzbund hilft ja nicht nur Bedürftigen, er ist auch ein psychologischer Berater bei häuslicher Gewalt. Wie sieht es da in Koblenz aus?


Nicht anders als in anderen deutschen Städten! Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Gewalt nur in armen Familien im sozialschwachen Milieu zu finden ist. Wir hatten zum Beispiel einen Fall, in dem ein Mann bei der Behörde gearbeitet hat, also zur Mittelschicht gehörte, und seine Tochter schlug. Solche Fälle erschüttern.

Der Unterschied zwischen den sozialschwachen Schichten und den Mittleren- und Oberschichten liegt darin, dass die Mittel- und Oberschichten über eine bessere Struktur verfügen, und dadurch besser gedeckt sind. Grundsätzlich traut man solchen Menschen weniger Gewalt zu. Der schöne Schein trügt. Mit den unteren Schichten wird mehr geredet, da wird mehr aufgepasst. Die liegen mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Auch hier sehe ich meine Aufgabe darin, Menschen zu sensibilisieren, Augen und Ohren offen zu halten, hinter die Fassade zu schauen.

Wir haben ein Sorgentelefon eingerichtet, 24 Stunden am Tag, wo betroffene Kinder und Jugendliche ihre Probleme an kompetenter Stelle los werden können. Allein in Koblenz haben wir im Jahr rund 10 000 Anrufe. Das muss auch alles bezahlt und verwaltet werden. Dafür benötigen wir Geld, dass ich versuche mit zu sammeln; bei Veranstaltungen und anderen entsprechenden Gelegenheiten.


Informieren Sie auch das Jugendamt, wenn Sie von Missbrauch Kenntnis erhalten?


Wenn das Jugendamt eingreift, wird das familiäre Gefüge grundlegend gestört. Der Kinderschutzbund ist sozusagen die Vorstufe, Hilfe, vor dem Gang zum Jugendamt. Ausgebildete Psychologen beraten und betreuen Kinder und Jugendliche, ohne dass die Familie Schaden nimmt. Wir hatten zum Beispiel jüngst einen Fall, in dem der neue Lebensgefährte der Mutter die Tochter angeblich missbraucht hat.

Oder ein anderer Fall:  Im Sportclub in unserer Nähe hatte ein Sportlehrer vermutlich immer anzügliche Handlungen an seinen Schützlingen vorgenommen. Da sind Vorwürfe im Raum und unsere Psychologen stehen nun mit Rat und Tat zur Seite. Wenn jetzt aufgebrachte Eltern das Jugendamt einschalten, werden sofort rechtliche Schritte eingeleitet. Die Vorwürfe sind nicht mehr zurückzunehmen.

Wenn dann das Kind, was leider auch vorkommt, aus den unterschiedlichsten Motiven, plötzlich sagt: "Es war gar nicht so, ich war nur sauer auf den", ist der Betreffende trotzdem gebrandmarkt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Anhörung. Die gesamte bürokratische Maschinerie läuft solange weiter, bis der Staatsanwalt das Verfahren einstellt. Zurück bleibt ein Verweis in der Akte.

Das ist eine ganz diffizile Geschichte. Man kann das Jugendamt nicht so ohne weiteres einschalten. Deshalb ist der Kinderschutzbund auch so wichtig! Unsere Psychologen können sehr subtil herausfiltern, ob etwas vorgefallen ist oder nicht, und dann entsprechend reagieren. Wir helfen nicht nur Kindern und Jugendlichen, auch viele Lehrer pflegen einen sehr engen Kontakt mit unserem Kinderschutzbund.



Konnten Sie in Ihrer kurzen Amtszeit schon Erfolge verbuchen?


Gewiss, ich habe schon ordentlich die Trommeln schlagen können und wir haben bereits Geld gesammelt. Ich habe auch viele Ideen für mein Koblenz und will die Dinge in meiner Stadt auf Trab bringen.

Zudem konnte ich auch schon andere Prominente gewinnen, allerdings ist das unter Kollegen nicht immer einfach. Viele Prominente haben auch Schirmherrschaften übernommen und jeder kämpft da mitunter für sich allein. Das ist Schade.

Es ist für mich auch nicht immer einfach, die Arbeit für den Kinderschutzbund zu organisieren. Wir brauchen im Jahr rund 50.000 bis 60.000 Euro an Spendengeldern. Ich kämpfe dafür, dieses Geld aufzutreiben.



Das Interview mit Thomas Anders führte für Stargebot Katrin Hampel

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